Wie ist Selbstorganisation in Organisationen zu verstehen?

VUCA nimmt zu, Prozesse werden schneller, Planung wird schwieriger, der Umgang mit Ungewissheit ist ein Dauerthema. Doch wie kann etwas Organisiertes, was eine Organisation per se ist, auf soviel Unvorhergesehenes reagieren? Hier spielen die Menschen in der Organisation eine Rolle, denn Menschen können mit Ungewissheit umgehen. Wenn Menschen also mehr ins Tun und in die Eigenverantwortung gebracht werden, kann dies der Organisation in der Komplexität dienen. Doch dazu gibt es es einiges zu beachten…

Über Prof. Dr. Olaf Geramanis: leidenschaftlicher Gruppendynamiker, Dozent FHNW, Diplompädagoge (univ.), Coach, Supervisor und Organisationsberater (BSO), ausbildungsberechtigter Trainer für Gruppendynamik (DGGO). Bis 2000 Offizier der Bundeswehr, ab 1999 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik der Universität der Bundeswehr München. Seit 2004 Dozent für angewandte Gruppendynamik und personenorientierte Beratung an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW in Muttenz. In der Weiterbildung und Dienstleistung in den Bereichen Beratung, Coaching, Change und Teamentwicklung tätig. Studienleiter des MAS Change und Organisationsdynamik. 

Interessante Links: 

www.organisationsdynamik.ch

https://www.organisationsdynamik.ch/publikationen-uebersicht/

www.gruppendynamik.ch

Buchtipp Gruppendynamik:

Geramanis, Olaf (2020): Mini Handbuch Gruppendynamik, BELTZ-Verlag 2. Auflage

Weiterbildungstipp Teamdynamik: 

CAS Teamdynamik unter Change – Gruppen Führen und Beraten: www.teamdynamik.ch

Zum schnellen Nachlesen – einige Insights aus dem Gespräch:

Wie ist Selbstorganisation in Organisationen zu verstehen?

Selbstorganisation ist die Anpassungsfähigkeit eines Systems an eine Struktur aufgrund der Mechanismen, die diesem System innewohnen.  Es muss nicht von außen gesteuert werden. Es ist aus sich selbst gesteuert.

Der Sinn von Selbstorganisation ist Kooperation. Sich gemeinsam zu organisieren ist kooperative Leistung, die den Akteuren mehr bringt.

Warum ist das so ein relevantes Thema?

Vuca nimmt zu, Prozesse werden schneller, Planung wird schwieriger, der Umgang mit Ungewissheit ist ein Dauerthema. Doch wie kann ich mit etwas Organisiertem – was eine Organisation per se ist – auf etwas Unvorhergesehenes reagieren? Hier spielen die Menschen in der Organisation eine Rolle, denn Menschen können mit Ungewissheit umgehen. Wenn Menschen also mehr ins Tun und in die Eigenverantwortung gebracht werden, kann dies der Organisation in der Komplexität dienen.

Klappt das?

Die Selbstorganisations-Potenziale sind kleiner als man denkt. Denn die Organisation stellt weiter den Rahmen (die Regeln, Rollen, Funktionen, Ziele) indem diese „Freiheit“ gelebt wird. Und: nicht alle sind begeistert von der Idee, Verantwortung zu übernehmen, unternehmerisch zu denken. Verantwortung, die bisher woanders verortet war, liegt plötzlich bei Mitarbeitenden. Das kann als Chance oder als Überforderung wahrgenommen werden und beides ist zutreffend.

Es braucht Transparenz.

Was gerade passiert ist, dass der Mensch mehr als Mensch in der Organisation angefragt wird. Mitarbeitende sind unter anderen Voraussetzungen gekommen. Man ist ja als Rolle, nicht als Mensch in die Organisation eingeladen. Da wir nun mehr Privatheit in der Organisation haben, müssen wir Methoden lernen damit umzugehen. Agile Methoden setzen sehr bei den Menschen an. Hier muss Kompetenz über die Grenzen der eigenen Privatheit entstehen. Dafür ist Transparenz seitens der Organisation wichtig, zu signalisieren: Es geht auch um dich als Mensch hier, prüfe du, wie weit du gehen willst.

#becomebetter