Wohin entwickelt sich das Inhouse Consulting?

Inhouse Beratung entwickelt sich zunehmend weiter. Dabei verändern sich die Aufgaben und Erwartungen an interne Beratung deutlich. Was macht interne Beratung heute aus? Was kann und sollte sie leisten? Die Autorin und Organisationsentwicklerin Joana Krizanits beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Professionsfeld der internen Beratung und erläutert im Gespräch mit Christina Grubendorfer was das Besondere an interner Beratung ist.

Joana Krizanits hat Psychologie in Strasbourg, Liverpool und Wien studiert. Sie hat zahlreiche Fachexpertisen wie zum Beispiel Gesprächspsychotherapie, systemische Beratung, Coaching, Controlling, Qualitätsmanagement, Personalmanagement und war auch viele Jahre tätig in verschiedenen Fach- und Führungsrollen in unterschiedlichen Organisationen. Heute ist sie selbstständige Unternehmensberaterin, Lehrbeauftragte und Trainerin. Ihre Schwerpunkte: fachliche Organisationsberatung und Prozessbegleitung zu Fragen der Unternehmensentwicklung, Management Development und Potenzialträger-Programme, Beraterausbildungen, Coaching und Supervision.

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen von Joana Krizantis, u.a. Professionsfeld Inhouse Consulting. Einführung in Methoden der systemischen Organisationsberatung, oder Reinventing Leadership Development.

Mehr Informationen über Joana und eine Liste ihrer Publikationen finden sich auf ihrer Website: http://www.krizanits.at/

Für Eilige: Einige Insights aus dem Podcast.

Inhouse Beratung – Was macht sie besonders?
Wenn es um Einbettung und Wirksamkeit geht dann gibt 3 Schnittfläche mit anderen Bereichen: externe Unternehmensberatung, andere interne Beratungsfunktionen (Controlling, QM, PM,..) und zur Funktion Führung.
Zu allen Bereichen gibt es Überlappungen.
Kernaufgabe der internen Beratung ist die Errichtung von Kommunikationsräumen, die quer zur Linie gehen. In diesen Kommunikationsräumen kommen Menschen miteinander in Austausch und im Zuge dieser Interaktionen ergeben sich Veränderungen in den Handlungsmustern. Organisationen sehen sich vor die Herausforderung gestellt sehr viel Veränderung zu bewirken und da ist es wichtig, dass diese Handlungsmuster mit fluide bleiben. Dabei stellt Beratung den Symbolische Interaktionismus auf den Kopf: die Bedeutung der Dinge liegt nicht in der Natur der Dinge, sondern wird sozial vereinbart. Wenn ich Deutungsmuster ändern will, muss ich soziale Interaktionsprozesse aufsetzen.

Kommunikationsräume sollten in der Beratung quer zur Linie etabliert werden. Aber wie ist das mit mit bestehenden Kommunikationsräumen?

Diese sind ist auch richtig und zweckmäßig. Aber bei Themen, die über einzelne Bereiche hinausgehen, kann man das nicht mehr in der Linie machen. Warum? Kommunikationsstrukturen die in der Linie laufen, sind eine Kategorie von Entscheidungsprämissen. In diesem Sinn kann ich Themen mit Change-Impact nicht innerhalb einer Linie abspielen, weil ich damit in einem bestimmten Entscheidungsprogramm bin und damit in Permanenz von Strukturen.

Was ist interner Beratung möglich, wo externe keinen Zugang finden?
Externe Beratungen kommen in Organisation, wenn das Management einen Handlungsbedarf identifiziert hat – da sind schon ganz viele Schritte aufgestellt, Entscheidungen gefallen, Budgets eingestellt. Das ist zu einem Zeitpunkt wo das Problem schon mainfest und eingegrenzt ist.
In der internen Beratung ist es so, dass das Funktionen sind, die frühe Signale bekommen, dass es einen Veränderungsbedarf gibt und die dann selbst die Initiative ergreifen und im Interesse der Organisation an Führung herantreten und einen Auftrag bekommen. Das heißt interne Berater sind weit vor der Line of Visibiltiy und sind deswegen nicht die gefeierten Helden. Aber sie sind sehr wirksam.

Sie können auch ein Frühwarnsystem sein, wenn es noch gar nicht so schlimm ist und wenn es manifest wird, macht das Top Management Budget für Externe frei?
Es gibt auch andere Gründe: Wunsch nach Gutachten oder Bad Guys Projekte, bei denen man Internen nicht zumuten möchte, soviel Effektladung zu parieren.

Was ist das Selbstverständnis der Internen? Wie ist das mit der Neutralität?
Dave Ulrich definierte den Credible Activist: die Zuschreibung an HR von Führung hat sich verändert – es kam zum Business Partner und einem Profil für seine Wirksamkeit und Kernkompetenz. Dazu gehört nicht Neutralität, sondern Gefühl der Verantwortung und Verbundenheit mit der Organisation. Der Begriff der Neutralität ist zu ersetzen durch Allparteilichkeit. Aus der Wahrnehmung heraus wird dann in die Verantwortung für Aktivitäten gegangen.

Hat die interne Beratung Ähnlichkeit mit Führungsfunktion?
Jede Position die hilft, die Dinge zu verstehen, ist hilfreich. Es ist aber eher hilfreich, das als unterschiedliche Funktion zu sehen.
Führung ist ein der ersten und ältesten Funktionen und hat die Aufgabe, Entwicklungen zu beobachten und Entscheidungen zu treffen. Umgekehrt ist Führung in der Rekursivität von Entscheidungen gefangen, weil sie nicht heute A und morgen B sagen kann und dadurch Vertrauen und Wirksamkeit verliert. Führung reagiert immer auf manifeste Brüche.

Beratung hingegen hat andere Beobachtungsfelder: Passen die kollektiven Handlungsmuster zu den Herausforderungen der Organisation?

Dafür, dass Organisationsberatung wirksam werden kann, ist es wichtig, dass sie nicht entscheidet. Weil sie morgen vielleicht wieder andere Dinge in den Fokus nehmen können.

Beratung schaut auf spezifische relevante Ereignisse und auf frühe Signale von Abweichungen. Führung schaut auf Konstanz.

Führung hat die Aufgabe geteilte Arbeit zusammenzuführen – mit Distanz zum Geschäft. Frühe Signale sind so nicht mehr gut zu erkennen.
Beratungsfunktionen haben das Ziel organisationsweite Entscheidungsprämissen zu setzen und lokale Entscheidungslogiken zu integrieren.
Führung ist eingebettet in Machtdynamik, Beratung fühlt sich Expertise und Überzeugung verpflichtet.

Wenn wir in Organisationen über Entscheidungen nachdenken, denken wir an einen Kommunikationsprozess.
Da sind Führung und Beratung zusammen am Werk. Das ist das Beratungssystem – die Interaktion. Entscheidungen zu treffen ist zugehörig dem Beratungssystem.

Darf ich auch ohne Auftrag unterwegs sein als interne Berater:in?
Das Business Partner Modell von Ulrich et al, zeigt, dass Interne sich auch einen Auftrag holen können bzw. im Vorfeld von Auftragsformulierungen wirksam werden können. Wichtig ist, dass sie genau das machen und dass Beratung keine Entscheidungen treffen darf, nicht in die Führungsschuhe steigen darf. Das vermindert die Wirksamkeit und ist nicht rollenkonform.

Wie kommt Beratung in ihre Kraft?
Beratung sollte nicht anlässlich beeindruckender Methoden veranlasst werden in Aktion zu treten – das ist verführerisch. Aber das ist noch kein Anlass, in die Initiative zu gehen. Grundlage für eine Initiative sollte immer ein theorie- und hypothesengeleiteter Anlass sein, wo festgestellt wird, die Muster passen nicht mehr zum System oder Businessmodell. Aus Beobachtungen müssen gute Thesen oder Beobachtungen gemacht werden. Damit gehe ich ins Gespräch mit Führung – mit guten Thesen. Es gibt einen Anlass, der anders exploriert werden soll. Es muss gute Gründe geben und wenn es diese gibt, sind Interne oft die, die es zuerst bemerken.

Welche Art von Beziehungsangebot mache ich als Interne Organisationsberaterin?
Ein großer Wandel in der Zuschreibung an die Internen hat sich vollzogen. Über Kostencenter und Service Center sind es heute Business Partner. Ed Schein hat schon immer gesagt, Personaler sollten ihr Handeln als Inselkultur betrachten. Eine Kultur die aus den Werten ihres Professionsfeldes abgeleitet ist.
Die Beziehung zwischen Führung und Beratung hat sich verändert, weil Organisationen bei so hoher Komplexität solche Funktionen ausdifferenzieren, um System-Umwelt-Grenze besser in die Beobachtung zu nehmen und sich nicht abzukoppeln. Zur Inselkultur würde gehören, dass solche Bereiche eine eigene Regelkommunikation haben, wo Thesen über die Organisation abgeleitet werden.

Transformation der Organisation hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft – was passiert da?
Jetzt sind wir an dem Punkt, dass die Transformation eingeleitet wird. Das Wirtschaftssystem wird in den nächsten Jahren anders eingebettet werden müssen in die Gesellschaft. Organisationen sind Orte der Sozialisation und eine vorpolitische Formen in der Einstellungsveränderungen stattfinden. Alle Organisationen werden sich in nächster Zeit damit auseinandersetzen müssen, welchen Beitrag sie leisten und wie sie ihr Geschäftsmodell anpassen an diese Herausforderungen. Jede:r Interne Organisationsberater:in müsste sich dafür fundiertes Wissen besorgen. Das wird ein große Beratungsfokus sein in Organisationen.