Transformation – was ist das eigentlich?

Spannende Zeiten: Viele Organisationen erleben den Bedarf tiefgreifender Veränderungen, um sich Neuem anzupassen. Die Arbeit an der eigenen Zukunftsfähigkeit ist elementar fürs Überleben der Organisation. Wie Transformation funktioniert und gelingt und warum das gerade jetzt – in dieser spannenden Zeit, in der vieles auf den Kopf gestellt wird – eigentlich eine freudvolle Arbeit für Organisationen ist, darüber sprechen wir in dieser Folge des LEA Podcast.

OLIVER HAAS. Begleitet seit mehr als 20 Jahren Menschen und Organisationen weltweit bei tiefgreifenden Veränderungen. Als systemtheoretisch affiner Soziologe schaut er dabei auf die Druckpunkte für kollektive Veränderungen, glaubt aber auch an die Macht kluger Fragen, um soziale Systeme im Kleinen in Bewegung zu bringen. Ob als Führungskraft, interner/externer Organisationsberater, Coach oder Mediator: Oliver verfügt über vielfältige und tiefe Einblicke in Organisationen unterschiedlicher Couleur.

CLAUS-BERNHARD PAKLEPPA. Aufgewachsen in Deutschland und Südafrika, ist Claus Ethnologe, Unternehmer, Organisationsberater, Coach und Sparringspartner für Entscheider und Brückenbauer aus Leidenschaft. Claus ist Gründer und Mitgründer von Beratungsunternehmen und NGOs, Geschäftsführer der p4d GmbH und begleitet als Berater seit 25 Jahren Menschen und Organisationen international in unterschiedlichsten Sektoren bei tiefgreifenden Veränderungen.

Weitere Informationen zum bald erscheinenden Buch „Transformation – Tiefgreifende Veränderungen verstehen, ermöglichen und gestalten“

Für Eilige: Einige Insights aus dem Podcast

Braucht es ein Krisenszenario, damit die Bereitschaft für tiefgreifende Veränderung da ist? 

Das ist leider oft so, aber ist nicht der einzige Weg. Auch die Beschäftigung mit Trends und Rahmenbedingungen kann eine Organisation antizipieren lassen, dass es einen neuen Anstoß braucht, wo es hingehen soll. 

Was können Organisationen an Routinen etablieren, um Transformationsanlässe zu erkennen? 

Man muss die Blickrichtungen, die man auf sich als Organisation hat, erweitern. Der Blick von außen auf die Organisation hilft dabei fast immer (was erwarten Kunden, Anspruchsgruppen ,…). Und daran koppelt sich die Frage: Wie passen wir uns an, um dem Kundennutzen zu entsprechen. Transformationsfähigkeit hat die Kernkompetenz inne, sich die Frage zu stellen: Was braucht es zukünftig, was ist der Mehrwert den wir leisten? Dazu ist es erforderlich, dass es ein gemeinsamer Blick ist. 

Wie bekommt man diesen Blick auf Dauer gestellt?

Es gilt immer wieder, Signale zu bemerken und auszuwerten. Die Signale, die aufgegriffen werden, heißt es zu übersetzen, um zu entscheiden, ob es einen Anlass zur Veränderung gibt. Veränderung um der Veränderung Willen führt nicht zu Transformation, sondern zu Prozessanpassung. 

Die beiden Welten alt und neu stehen dabei nebeneinander (Ambidextrie). Im gleichen System eine neue Welt aufzubauen, erzeugt ein Spannungsfeld. Die Organisation soll sich dabei nicht kaputt transformieren – im Wertekern der Organisation gibt es Bewahrenswertes, was zu berücksichtigen ist. 

Wie funktioniert Transformation handwerklich? 

Das Vorgehen sind zwei Schritte: Erkennen, dass es Veränderung braucht und Verstehen, wohin sich die Organisation entwickeln soll. Es braucht Rahmenbedingungen und Ressourcen. Mit dem Zukunftsbild, wo es hingehen soll ist der erste Schritt geklärt. Dann geht es zunächst um klassischen Change (Akteure kennen und einbinden, Verändern und ausprobieren, refelktieren und anpassen). Der Unterschied zum Change ist, dass sich nicht nur die Praktiken, sondern auch die Paradigmen und Prinzipien verändern. Dies muss bewusst beschrieben, gestaltet und vermittelt werden –  ein langer Weg des Dranbleibens. Um so wichtiger ist es, zu reflektieren und innezuhalten. 

Warum ist die Beschäftigung mit dem Thema jetzt wichtig und spannend? 

Gewohnt ist man einen angestrengten Blick auf das Thema Führung. Aktuell besteht aber eine einmalige Chance, Organisationen neu zu denken. Wie wollen wir zukünftig sein? Wir stehen gesellschaftlich, global, ethisch wirtschaftlich vor so vielen Veränderungen – diese zu bedenken und selbst zu gestalten statt gestaltet zu werden sollte zur lustvolle Arbeit an der Organisation werden.