Wie sieht die Zukunft der Wirtschaft aus?

Eine besondere Form von Start-ups sind Impact Start-ups. Das oberste Ziel ist, einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen zu leisten und nicht hohe Profite für Shareholder zu generieren. Diese Unternehmen wollen soziale Probleme lösen und einen entsprechenden gesellschaftlichen Wandel einleiten. Aus Unternehmer*innen werden somit Social Entrepreneurs. Da von Impact-Start-ups nicht erwartet werden kann, die fundamentalen Herausforderungen der Zukunft allein in den Griff zu bekommen, stellt sich darüber hinaus die Frage, inwieweit bereits etablierte Unternehmen ihre Fähigkeiten und Ressourcen einsetzen, um die grundlegenden Probleme anzugehen, mit denen wir konfrontiert sind.

Ein Gespräch mit Oliver Kuschel über das Wirtschaften in der Zukunft.

Oliver Kuschel hat nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Essen die ersten 25 Jahre seiner beruflichen Karriere im Beratungsumfeld verbracht. Nach dem Start bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gründete er im Jahr 2006 sein erstes eigenes Startup, dem mittlerweile noch 4 weitere Gründungen (u.a. ein Beteiligungsunternehmen für KI-Startups) gefolgt sind. Neben seinen beratenden Tätigkeiten ist Oliver seit Ende 2018 als Geschäftsführer und Co-Founder der gemeinnützigen Anthropia gGmbH aktiv. Im Rahmen des von der Anthropia betriebenen Inkubators für öko-soziale Innovationen, der Duisburger Impact Factory, betreut Oliver gemeinsam mit seinen Kolleg:innen derzeit 94 Impact-Startups aus ganz Deutschland. Oliver ist CFA-Charterholder und Vater von 3 Kindern und 3 Katzen.

Mehr über Anthropia erfahren Sie hier.

Für Eilige: Einige Insights aus dem Podcast

Wie ist die derzeitige Lage?

Die Pandemie hat gezeigt, dass unser Wirtschaftssystem sehr anfällig ist (Bsp. Lieferketten). Es ist zu beobachten, dass der Verbrauchermarkt und die Politik, z.B mit dem Green Deal, zunehmenden Druck auf Unternehmen auswirken. Wenn man in 10 Jahren als Unternehmen noch existieren will sollte die Denkweise von kurzfristiger Gewinnmaximierung hin zu mittel- und langfristigen Businessmodellen umstrukturiert werden.

Stichworte wie Nachhaltigkeit, impact Unternehmen und social entrepreneurship prägen diese Transformation. Was haben diese Unternehmen mit konventionellen Unternehmen gemeinsam?

Wirtschaftlichkeit. Das Geld kommt bei social entrepreneurs und impact Unternehmen vll. nicht vom Kunden, aber trotzdem gibt es einen „knallharten“ Vertrieb mit Stiftungen und öffentlichen Geldgebern. Die Kunst einer guten Führung ist hier die Balance zwischen Finanzen, sprich die Möglichkeit weiter zu existieren und Mitarbeiter:innen bezahlen zu können und gleichzeitig einen möglichst großen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) zu leisten.

Was genau sind social entrepreneurs und impact Unternehmen?

Organisationen wie discovering hands, blinde Menschen die weltweit kleinste Brustkrebsknoten ertasten, oder Tausche Bildung für Wohnen, Studenten die für eine sehr günstige Wohnungsmiete im Gegenzug Nachhilfe für Kinder in sozial schwache Stadtteilen geben, sind sogenannte social entrepreneurs. Sie arbeiten mit viel Herz und Innovation, um einen sozialen oder ökologischen Mehrwert für unsere Gesellschaft zu leisten.

Um auch wirtschaftlich solide aufgestellt zu sein und damit möglichst lange wirken zu können, unterstützen Inkubatoren wie die Impact Factory mit Beratung, Trainings und Netzwerken.

Wie bekommt man auch große Unternehmen in die Verantwortung?

Durch die Verpflichtung zu Nachhaltigkeitsberichten, die als Grundlage für Ratings wirken auf deren Grundlage Fonds zusammengestellt werden, bekommen auch große Unternehmen, neben dem sozialen Druck zusätzlich wirtschaftliche Anreize sich inspirieren zu lassen oder impact Unternehmen zu integrieren. Denn wer in den Ratings schlecht bewertet wird bekommt Probleme mit der Refinanzierung und zahlt höhere Zinsen.

Wenn dann sukzessive mehr und mehr Externalitäten mit in die Bilanzierung aufgenommen werden, d.h. z.B. Umweltverschmutzung und deren Kompensation oder Bereinigung sich im Preis der Produkte widerspiegeln, dann macht ein unnachhaltiges Wirtschaften schon bald keinen Sinn mehr und die Menschheit ist eine großen Schritt weiter.